Sonntag, 7. Oktober 2007

Von Bayonne nach St-Jean-Pied-de-Port - Ankunft am Jakobsweg

Es ist Montag, der 23. Juli 2007. Ich sitze am Bahnhof von Bayonne und warte, dass mich der Zug zu meinem Startort St-Jean-Pied-de-Port am Fuße der Pyrenäen bringt. Noch einmal geht mir meine Anreise über Paris durch Frankreich durch den Kopf und ich denke nur, dass das ein reines Stresserlebnis war. Ich freue mich nun darauf, nach St-Jean zu kommen und am Beginn meines Jakobsweges zu stehen. Das Wetter ist nach einem heftigen Regenguss von eben wieder schön. Neben mich hat sich eine junge Frau auf die Bahnhofsbank gesetzt; sie ist etwa in meinem Alter. Neben ihr steht ein großer Rucksack, der meinem nicht ganz unähnlich ist und so denke ich mir, dass es sich bei ihr auch um eine Pilgerin handelt. Ich traue mich aber nicht, sie anzusprechen. Plötzlich holt sie ein mir seltsam bekanntes rotes Buch hervor und beginnt darin zu blättern. Es ist der gleiche Wanderführer, den ich auch habe - der Rother Wanderführer zum spanischen Jakobsweg, nur ihrer ist in Englisch. 'Hmm,' denke ich mir 'das ist also wirklich eine Pilgerin!' Kurze Zeit später fällt mir auf, dass einer ihrer Schnürsenkel offen ist und ich weise sie freundlich darauf hin. Sie bedankt sich.

Wenige Augenblicke später sitze ich im Zug, der sehr leer ist. Die Mitpilgerin sitzt in einem anderen Wagen, aber neben mir auf der anderen Seite des Wagens sitzt wohl noch ein Pilger, denn er hat ebenfalls einen dicken Rucksack und einen Strohhut dabei. Der Zug setzt sich in Bewegung und wir verlassen Bayonne. Schon kurz darauf fahren wir durch wilde Natur und ich bin erstaunt, wie schnell sich die Landschaft in kurzer Zeit verändern kann. Auf einmal erheben sich majestätisch neben uns hohe Berge, die anfangs noch wie Samthügel mit saftig grüner Wiese überzogen sind und später dann mit dunklen Wäldern bedeckt sind. Wir rattern mit unserem kleinen Zug durch diese ehrfurchtsvolle Landschaft ganz gemütlich, durchqueren das ein oder andere Tunnel und fahren mithin an einem reissenden Bergfluss entlang. Hin und wieder tauchen Schaf- und Kuhherden auf. Alles wirkt so entspannend und lässt mich den Stress und die Ungemütlichkeit von Paris Montparnasse vergessen. Die Sonne scheint in unseren kleinen Pilgerexpress hinein und meine Gedanken schweifen ab zu den Bergen, die sich mir zeigen. Mit Ehrfurcht und Respekt schaue ich zu diesen Schönheiten der Natur hinauf und merke doch, dass ich Lust und Motivation verspüre, schon morgen durch diese Berge zu wandern. Natürlich denke ich mir auch, dass es wohl anstrengend werden kann, aber im Moment möchte ich da eigentlich gerne hoch.

Nach gut einer Stunde Fahrt erreichen wir den kleinen Bahnhof von St-Jean-Pied-de-Port. Wieder kommt etwas Angst auf, wie es jetzt weitergeht. Die Sonne scheint aber noch immer, ja es ist sogar recht warm und vor uns liegt das beschauliche St-Jean. Ich steige aus und sehe, dass auch der Pilger neben mir aussteigt und weiter hinten auch die Mitpilgerin vom Bahnhof. Ich denke mir, dass ich wohl jetzt mal eine Herberge zwecks Übernachtung ansteuern muss. Die anderen beiden tun dasselbe und schon kommen wir das erste Mal kurz ins Gespräch. Ich stelle fest, dass der Pilger neben mir aus Italien kommt, die Banknachbarin vom Bahnhof lerne ich nicht näher kennen. Nach einigem Fragen und Umherlaufen betreten wir die Altstadt von St-Jean und ich fühle mich trotz der vielen Leute hier gleich richtig wohl. Es gibt hier kleine Gässchen, alte Häuser, alte mittelalterliche Stadtmauern und über all dem thront hoch oben die Zitadelle von St-Jean. Wir drei gehen nun schon eine Weile gemeinsam, halten aber immernoch ziemliche Distanz zueinander. Wir treffen am Pilgerbüro ein und dort verlieren wir uns dann. Eine freundliche ältere Dame bittet mich, einige Statistiken auszufüllen, gibt mir meinen ersten Stempel in meinen Pilgerpass, versorgt mich mit einigen Informationen zu den bevorstehenden Etappen des Weges und weist mir eine Herberge zum Schlafen zu. Ich begebe mich also zu dieser Herberge, die direkt unterhalb der Zitadelle liegt. Eine andere ältere Dame namens Madame Janine empfängt mich und weist mir ein Bett zu. Zuerst wirkt sie etwas garstig, aber das liegt vielmehr an meinem schlechten Französisch. Ich begebe mich in den untersten Stock in unser Zimmer. Es stehen sechs Betten darin, davon sind drei schon besetzt mit zwei älteren Französinnen, die aussehen, als wären sie Schwestern und unter mir liegt ein junger Engländer. Wir vier kommen etwas ins Gespräch und so bilden sich erste wohltuende Kontakte heraus. Die beiden Französinnen sind keine Schwestern, aber gute Freundinnen, die nur die Etappe nach Roncesvalles gehen wollen. Außerdem fühlen sie sich wohl meinem schlechten Französisch pädagogisch verpflichtet und weisen mich freundlich immer wieder auf meine Fehler hin. Der junge Engländer kommt aus London, heisst Alex und will auch bis nach Santiago, ist aber nach der Anreise ziemlich müde und schläft bald ein. Ich gehe mich erstmal duschen, denn der Schmutz von Paris hängt mir noch an. Dann mache ich mich auf den Weg, St-Jean zu erkunden und noch einige Dinge einzukaufen, die ich brauche. St-Jean ist wirklich bildschön, man fühlt sich fast wie im Mittelalter und abends, wenn all die Touristen weg sind, ist es noch schöner. In einem Geschäft kurz vor dem Port d'Espagne, durch welches ich morgen meinen Weg beginnen werde, finde ich einen schönen Pilgerstab, der durch seine Schlichtheit überzeugt. Es ist ein einfacher Stock mit Metallspitze, einem Lederbändchen und einer kleinen eingravierten Jakobsmuschel. Ein richtiges Exemplar einer Jakobsmuschel finde ich wenig später noch in einem anderen Laden. Die hänge ich mir als sichtbares Zeichen meiner Pilgerschaft an den Rucksack. In den kleinen Lebensmittelläden, die noch sehr handwerklich und provinziell gemütlich sind, versorge ich mich mit lokalem Käse, ein wenig Wurst und Obst für die morgige Etappe.

Am Abend dann sitze ich gemütlich im Garten der Herberge mit tollem Blick auf das unter mir liegende St-Jean, geniesse mein Abendessen und komme so richtig an am Jakobsweg. Ein Gefühl tiefer Dankbarkeit und Zufriedenheit umgibt mich. Ich merke, dass mich Gott hier in St-Jean am Bahnhof abgeholt hat und mich versorgt. Es geht mir gut und morgen werde ich auf den Jakobsweg aufbrechen. Vorher aber treffe ich noch auf einen netten älteren Herrn aus Aachen, der als Radpilger unterwegs ist und sich zum Abendessen an den Gartentisch gesellt. Wir reden lange miteinander, sprechen über die Gründe für unsere Reise, er über seine Erfahrungen, ich über meine Erwartungen. Er gibt mir viele hilfreiche Tipps und ich fühle mich nun wirklich nicht mehr allein. Kurz vor dem Schlafengehen steige ich noch einmal auf zur Zitadelle, geniesse die warme Abendsonne und blicke erwartungsvoll in Richtung der Berge, die förmlich auf mich warten. Ich danke Gott für eine beschützte Anreise und gehe zurück zur Herberge um zu schlafen.

Freitag, 5. Oktober 2007

Von Bayreuth nach Bayonne - Anreise zum Jakobsweg

Es ist Sonntag, der 22. Juli 2007. Vor mir steht mein Rucksack, vollgepackt mit meinen Sachen, an der Seite die Isomatte und oben draufgeschnallt mein Schlafsack. Die ganze Sache wiegt nun an der Federwaage fast 13 kg und ich denke mir, dass es vielleicht doch zu schwer sein könnte, kann aber auf nichts mehr verzichten. Um meinen Bauch ist die Bauchtasche geschnallt mit den Reisedokumenten und den Dingen, die ich am Flughafen in Nürnberg nicht aufgeben möchte. Ich schnalle meinen Rucksack auf und laufe in meinen globigen Wanderschuhen, die zur Hälfte von den Jeans bedeckt sind in die Küche. Ich kann es mir nicht verkneifen, meiner Mitbewohnerin dort an der Küchentafel einen kleinen Abschiedsgruß zu hinterlassen: "Ich bin dann mal weg...".
Ich verlasse die Wohnung mit dem bewussten Gedanken, sie in den nächsten sechs Wochen nicht wiederzusehen. 'Wie wird das wohl sein, wenn ich wiederkomme?' denke ich mir. 'Was wird mich in der nächsten Zeit erwarten? Wo werde ich heute Nacht schlafen?' All diese Gedanken bereiten mir ein mulmiges Gefühl im Bauch. Ich habe Angst. Es ist vor allem die Unsicherheit über das was kommen mag, das mir Angst macht. Wie schön wäre es, wenn jetzt jemand bei mir wäre, Freunde oder meine Eltern. Und doch, es ist auch wieder gut, dass ich allein bin, denn ich muss da jetzt durch. Die Idee ist in mir allein gewachsen, ich werde allein den Jakobsweg gehen, also verlasse ich jetzt auch allein Bayreuth.
Im Zug nach Nürnberg rauscht die oberfränkische Landschaft bei schönem Wetter an mir vorbei und ich denke mir, dass es hier doch auch schön ist. In mir kommt fast schon eine Art Endzeitstimmung auf und das führt dazu, dass ich alles sehr zufrieden und bewusst wahrnehme. In Nürnberg am Hauptbahnhof klingelt mein Handy: meine Eltern rufen mich an und dafür bin ich sehr dankbar. Ich kann jetzt ein paar nette Worte gebrauchen und außerdem kann ich so gleich nachfragen, mit welcher U-Bahn ich am besten zum Flughafen komme. Alles klappt prima.
Am Flughafen gehe ich zu meinem Schalter, muss nicht lange warten und bekomme meine Bordkarte. Die Frau verlangt aber irgendwie doch etwas barsch, dass ich die Schlaufen meines Rucksackes besser zusammenbinden soll. Da mir das nicht gelingt, schickt sie mich zum Schalter für Sperrgepäck. Dort wird mein Rucksack durchleuchtet und ich werde gefragt, was für ein großer seltsamer metallener Gegenstand das da drinnen sei. Ich weiss im Moment selbst nicht, was die meinen, öffne meinen Rucksack und hole dann einen Beutel nach dem anderen raus. Da plötzlich fällt mir ein was die meinen: mein Kompass. Naja, gut, ist wirklich ein Riesenteil - ein Schiffskompass den ich seinerzeit in Holland gekauft und aufgrund seines Alters liebgewonnen habe. In dem Moment am Flughafen aber denke ich mir, wie doof, so ein Riesenteil mitzunehmen, aber wer weiss, vielleicht brauche ich ihn noch. Die Beamten sind zufrieden, aber auch irgendwie beeindruckt. Ich packe zusammen und verlasse, nahezu gepäcklos, den Schalter.

Dann klingelt wieder das Handy und ich freue mich, wieder mit meinen Eltern reden zu können. So kann ich meine Ängste aber auch Hoffnungen loswerden, Nervosität abbauen. Dann heisst es Abschied nehmen, denn der Abflug naht heran. Es fällt uns allen schwer.


Der Flug verläuft gut, keine Zwischenfälle, keine nervigen Sitznachbarn, ganz im Gegenteil, eine ganze Reihe für mich.

Gegen 20 Uhr landen wir in Paris Charles de Gaulle. Ich bekomme meinen Rucksack wieder - alles noch dran und nichts kaputt. Ich überlege mir, in welchem Terminal ich schlafen kann, denn mein Zug geht erst am Morgen um 7:15 Uhr. Der Flughafen ist voll mit Leuten, es herrscht nervende Betriebsamkeit. Ich gehe in das Abflugsterminal, dort ist es ruhiger aber es herrscht eine nüchterne Kühle. Irgendwann gegen 21 Uhr sitze ich in einem Wartesaal und bekomme so in der Entfernung und gefiltert durch mein eingerostetes Französisch mit, dass der Flughafen wohl nachts schliesst. Ich bin unschlüssig, was ich machen soll, denn ich dachte der Bahnhof macht auch nachts zu. Wo soll ich denn die Nacht verbringen? Dann fällt mir ein, dass ich morgen ja in aller Frühe mit dem Zug in die Stadt fahren muss und ich bin mir nicht sicher, ob die Fahrkartenschalter dann schon geöffnet sind. Die Automaten nehmen irgendwie nur Kreditkarten. Also gehe ich an den Schalter und kaufe ein Ticket. Mit meinem schlechten Französisch frage ich, ob das Ticket auch am nächsten Morgen noch gelte, doch der Typ dort will mich wohl nicht verstehen und sagt dann immer nur noch "Non!". Mist, also steige ich doch jetzt besser in den Zug und bin dann wenigstens schon mal am Bahnhof.

Der Zug bringt mich in die Innenstadt. Ich bin schrecklich müde, aber es ist um mich immer noch sehr hektisch. Irgendwie komme ich dann per U-Bahn zum Bahnhof Montparnasse, der schlicht hässlich ist. Ich bleibe einfach auf einer Bank, auf der man aber nicht liegen kann. Um mich sind noch drei Leute verstreut und das beruhigt mich. Irgendwann wird es sehr still im Bahnhof, teilweise gehen auch die Lichter aus - es ist schon fast unheimlich, aber ich bin noch immer nicht allein. Mein Kopf sinkt immer wieder auf meinen Rucksack und ich döse für einige Minuten weg. Gegen 6 Uhr tun mir alle Knochen weh, aber es ist fast überstanden und man hat uns nicht aus dem Bahnhof geschmissen. Ich brauche etwas frische Luft und gehe vor den Bahnhof. Unten bei den Lüftungsschächten laufen bestimmt fünf Ratten herum, es regnet leicht und alles wirkt total hässlich. Ich bin ziemlich genervt.
Um 7 Uhr steige ich in den TGV ein, den ich mir viel komfortabler vorgestellt habe. Neben mir sitzt ein Franzose, mit dem ich ganz kurz ins Gespräch komme, aber meine Sprachkenntnisse sind schrecklich und ich ärgere mich darüber. Fünf Jahre Französisch in der Schule und was bleibt davon - sehr sehr wenig. Die Zugfahrt ist angenehm ruhig und dauert fast fünf Stunden. Den ganzen Tag regnet es und Frankreich wirkt trist und grau. Als wir in Bayonne ankommen und ich aussteige, wünscht mir der Franzose noch einen schönen Tag. Ich erwidere und denke mir, dass ich wirklich einen schönen Tag brauchen kann. Jetzt muss ich aber noch zwei Stunden warten, bis der Zug von Bayonne zu meinem Startort St-Jean-Pied-de-Port abfährt. Nach all dem Stress bisher, sehne ich den Jakobsweg nun fast schon herbei. Die Unsicherheit ist aber immer noch da und mittlerweile kommt eine Gewissheit hinzu: all meine Freunde, Familie, meine vertraute Umgebung sind viele viele Kilometer entfernt und ich bin hier ganz allein.

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Zurück in Deutschland ... und wieder los!



Nun bin ich schon ungefähr 4 Wochen wieder in Deutschland und habe bisher noch keinen neuen Post hier veröffentlicht. Sicher war es auch erst einmal wichtig, die Eindrücke des Weges für mich selbst zu verarbeiten und das braucht natürlich auch seine Zeit. Dann hatte ich ehrlich gesagt auch überlegt, ob ich dieses Weblog weiterführen könnte, denn natürlich is der Weg jetzt vorbei und es dann in der Retrospektive niederzuschreiben kann für viele ohne großen Wert sein, weil es ja dann nicht mehr "live" ist. Außerdem hatte ich den Plan verfolgt, meine Erlebnisse auf dem Jakobsweg eventuell auch in anderer Form noch publik zu machen. Nun ja, ich habe den Denkprozess dazu nun abgeschlossen und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass ich das Weblog doch gern fortsetzen möchte. Dafür sind verschiedene Gründe zu nennen: Zunächst einmal habe ich bereits durch die e-mails, die ich vom Weg aus verschickt habe und die Reaktionen darauf bemerkt, dass großes Interesse an den Erfahrungen des Weges besteht. Dies hat sich auch nach meiner Rückkehr gezeigt und viele Menschen würden wohl gern mehr darüber erfahren. Nun ist es schwierig, mit jedem einzelnen ins Gespräch zu kommen und zeitlich kann man die Tiefenwirkung des Jakobsweges auch nicht eben in eine Stunde Gespräch stopfen ganz zu schweigen von den nahezu 600 Fotos die ich gemacht habe. Das Weblog ist daher eine gute Möglichkeit, meine Erlebnisse einigermaßen ausführlich einem breiten Publikum zu präsentieren. Außerdem besteht ja durch die Kommentarfunktion die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder Anmerkungen zu hinterlassen, auf die ich dann reagieren kann. Für mich ist das Fortführen des Weblogs übrigens auch noch eine schöne Gelegenheit, den Weg auch weiterhin zu reflektieren und noch einmal vor dem geistigen Auge zu erleben. Außerdem hätte ich wohl zu einer anderen Form der schriftlichen Verarbeitung momentan keine Zeit. Wie Ihr also seht, spricht einiges dafür, das Weblog fortzusetzen. Wer sich zwischendurch ausblenden will, kann das ja jederzeit tun (wohingegen es ja unfreundlich ist, z.B. bei einem Vortrag einzuschlafen oder zu gehen ;)).

Ich möchte nun das Weblog gerne in der Art eines Wegetagebuches gestalten, d.h. dass ich jede einzelne Etappe mit den Eindrücken in einem Post wiedergebe und auch das eine oder andere Foto dazu einstelle. Das heisst also, dass es sozusagen wieder los geht mit dem Jakobsweg, wenngleich auch in virtueller Weise. Ich hoffe, Ihr habt Freude daran. Solltet Ihr wie gesagt Fragen haben, dann stellt die doch bitte in Form eines Kommentars, den ich dann auch beantworten kann. Auch jegliche Form konstruktiver Kritik oder eigenen Erfahrungsaustausches bzw. Anmerkungen sind in dieser Form willkommen. Ich freue mich also, Euch auf meinem Jakobsweg mitnehmen zu können.

Euer Dirk.


Samstag, 21. Juli 2007

Los geht's!

Na sowas, am 25. März habe ich den Entschluss gefasst, auf den Jakobsweg zu gehen. Heute ist der 21. Juli und damit der Punkt gekommen, an dem ich mich nun fast auf den Weg mache. Morgen geht es los. Es liegen nur vier Monate dazwischen und soviel ist geschehen. Man denkt, dass man ja für so eine Reise nicht viel Gepäck braucht und ohnehin nur mit ein paar Basics reist, aber dann wird einem klar, dass genau darin der große Unterschied zu einem Pauschalurlaub liegt. Dieser dauert in der Regel zwei bis drei Wochen, man ist in einem gemütlichen Hotel untergebracht, hat vielleicht den einen oder anderen kleinen Ausflug im Auge, abends wird das Essen serviert und anschliessend fällt man in das weiche Bett. Die Pilgerreise dauert sechs Wochen und was man hat und braucht, trägt man auf dem Rücken. Es ist wohl wie eine Schnecke, die ihr Zuhause immer mit sich trägt. Auf dem Jakobsweg ist man wohl immer nur kurz an einem Ort, dann geht es weiter. Die Geborgenheit, die man sucht, findet man also wohl kaum in seiner Übernachtungsstätte, sondern in anderen, tiefergehenden Dingen. Aber genau weil das zu tragende Material begrenzt sein muss, ist es umso wichtiger, die richtigen Sachen einzupacken. Darin lag nun in den vergangenen Wochen die Schwierigkeit: die richtige Ausrüstung zusammenzutragen. Ich meine, dass mir das gelungen ist, wobei ein endgültiges Urteil erst nach der Reise zu fällen ist. Auch die Wanderkondition konnte ich in den vergangenen fünf Wochen durch ausgedehnte Touren verbessern und ich meine nun wenigstens etwas vorbereitet zu sein.
Ich hatte im März viele Ziele und Pläne, die ich bis zur Abreise verwirklichen wollte. Viele davon sind erfüllt, andere konnte ich weniger konsequent umsetzen. Was meine Dissertation betrifft, so finde ich, dass ich an einem guten Punkt angekommen bin. Die Vorbereitungen dafür sind abgeschlossen und im Herbst kann ich dann richtig einsteigen. Auch eine Bewerbung für ein Stipendium ist auf dem Weg. Mit den sonntäglichen Wanderungen in der letzten Zeit und dem anfänglichen Laufen habe ich mich auch konditionell verbessern können. Und meine Beziehung zu Gott hat durch viele kleine Impulse wieder an Qualität gewonnen, was mich sehr freut. Leider habe ich es nicht mehr geschafft, etwas intensiver Spanisch zu lernen. Das könnte also eine Herausforderung werden. Ich hoffe mal, dass ich mit Englisch auch einigermaßen weiterkomme.
Wenn ich so auf diese Vorbereitungsphase zurückblicke, fühle ich mich in meiner Absicht, nach Santiago zu pilgern, bestärkt. Nach wie vor bin ich gespannt, was für ein Abenteuer dies werden wird, welche Menschen ich treffe, wie ich mit bestimmten Situationen umgehen werde, wieweit ich mich mit dem niedrigen Lebensstandard arrangieren kann, was der Weg mit mir und aus mir macht, wie ich Gott begegne, wo ich helfen kann und wo mir geholfen wird. All das und noch viel mehr löst in mir eine gewisse Spannung aus. Vor einigen Monaten habe ich geschrieben, dass immer bei dem Gedanken an die Reise auf dem Jakobsweg mein Herz hüpfen würde. Ehrlich gesagt, heute, einen Tag vor der Abreise ist das nicht mehr so. Ich bin leicht aufgeregt, auch etwas ängstlich, aber ich bin nach wie vor davon überzeugt, diese Pilgerreise machen zu wollen und auch zu müssen. Deshalb fasse ich mich an dieser Stelle jetzt auch relativ kurz und sage nur: "Los geht's. Santiago ist zwar noch weit weg, aber der Himmel ist ganz nah."

Ich denke an Euch und grüße alle ganz lieb,

Euer Dirk

Sonntag, 24. Juni 2007

Noch 4 Wochen

Heute ist Sonntag, der 24. Juni. In genau vier Wochen werde ich um diese Zeit hoffentlich bereits auf dem Flughafen Charles de Gaulle in Paris gelandet sein. Was sagt uns das? Die Zeit vergeht rasend schnell. Mir kommt es noch wie gestern vor, dass ich den Entschluss zum Jakobsweg gefasst habe. Doch sehen wir den Tatsachen ins Auge, in vier Wochen wird das Abenteuer beginnen.

An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich ein wenig unruhig werde und ein leichtes Kribbeln verspüre. Es ist schon eine besondere Situation zu wissen, dass man in ein Land fährt, in dem man vorher noch nie war, vorher durch ein Land reist, dass man auch noch nicht wirklich kennt und dann innerhalb von 6 Wochen 800 km laufen möchte, ohne dass ich jemals vorher eine solche Distanz zu Fuß zurückgelegt hätte. Hinzu kommt eine gewisse Unsicherheit über die Lebensumstände, die Menschen dort, das Wetter und so weiter. Ich glaube, man hat in solchen Momenten zwei Möglichkeiten: Entweder man gibt sich seinen Befürchtungen, Ängsten und Zweifeln hin und versucht sie durch gute Planung einzuschränken oder man gibt sich ganz in die Hände Gottes und vertraut darauf, dass er als "Reiseleiter" alles fest im Griff hat. Ich kann von mir behaupten, dass ich beide Möglichkeiten beanspruche. Viele Dinge sind geplant und durch die bisherigen Vorbereitungen versuche ich, meine Unsicherheit einzugrenzen. Zu einem großen Teil aber lege ich diese Pilgerreise ganz in die Hände Gottes und lasse damit den Dingen ihren Lauf. Ich werde sehen, was am Ende dieses Projektes steht.

Nun aber noch ein paar Worte zu den bisherigen Vorbereitungen. Ich weiss, ich hatte eigentlich versprochen ein Foto meines Rucksacks hier einzustellen, bin dazu aber nicht gekommen. Allerdings habe ich den Rucksack schon benutzt und bin sehr zufrieden und nun kommt eben auch das Bild (rechts).

Außerdem bin ich gerade dabei, die medizinische Ausrüstung für die Reise zusammenzustellen. In den nächsten Tagen werden dann noch einige Anschaffungen getätigt, die die Ausrüstung abrunden. Tickets sind ja bereits vorhanden. Auslandskrankenschein wird diese Woche beantragt. Unterdessen hat mir eine nette Kommilitonin auch ein paar Übungshefte Spanisch zur Verfügung gestellt, so dass ich noch ein paar Grundlagen lernen kann.

In Bezug auf die übrigen Ziele, die ich mir im Vorfeld des Jakobsweges gesetzt hatte, lassen sich auch einige gute bis mäßige Nachrichten vermelden. Mit der Dissertation komme ich voran, wenn auch noch nicht ganz so flott, wie ursprünglich gedacht. Ich denke aber, dass ich bis zur Abreise alle wichtigen Vorbereitungsziele für die Zeit nach Santiago geschafft haben werde. Bei der Beantragung von Stipendien hat es Änderungen gegeben, die aber von Seiten meines Professors kamen. Er meinte, ich sollte erst einmal ein Stipendium beantragen, welches ich nun auch in den kommenden Tagen beginnen werde.

Ich muss zugeben, dass ich mit dem Laufen ein wenig nachlässig war in der vergangenen Zeit. Vielleicht kann ich das in den verbleibenden Wochen nochmal reaktivieren. Aber immerhin spiele ich nun einmal die Woche länger Fussball, fahre nach wie vor viel Rad und habe erst heute wieder eine längere Wanderung (mit den Wanderschuhen) unternommen. Dazu möchte ich gleich noch etwas sagen. Ich war heute bei perfektem Wetter im Teufelsloch, einer kleinen Schlucht westlich von Bayreuth. Das hat viel Spass gemacht und war ein idealer Test für die Wanderschuhe und meine Füße. Ich schätze, dass ich so ca. 10-15 km gelaufen bin. Das Teufelsloch ist übrigens zu empfehlen. Es ist ein sehr idyllischer aber auch etwas mystischer Ort. Wie gesagt, es ist eine kleine Schlucht, durch die sich ein kleiner Waldbach schlängelt, der oft unter umgefallenen und mit Moos bewachsenen Bäumen verschwindet und dann wieder auftaucht. Links und rechts des schmalen Pfades erheben sich zum Teil majestätische hausgroße Felsblöcke. Da ich nahezu allein auf dem Weg war, bot sich mir eine gute Gelegenheit zur Entspanung und zum Genießen der Natur. Ein paar Fotoeindrücke will ich Euch nicht vorenthalten (auch wenn ich zugeben muss, dass die Fotos nicht ganz so schön geworden sind). Wer mehr Informationen dazu haben möchte, kann sich gerne per mail oder Kommentar bei mir melden. Eines sei aber angemerkt: Da der Weg sehr schmal ist und über zahlreiches Wurzelwerk und Felsen führt, sollten nur gut ausgerüstete (Schuhe!!!) Leute durch das Teufelsloch wandern. Für mich war es jedenfalls ein gutes Training und sowohl Schuhe als auch Socken, Trekkinghose und meine Füße haben keine Probleme gemacht.
Soweit die neuesten Informationen. Die letzten vier Wochen werden sicher noch einmal sehr intensiv, denn auch wenn man nur ca. 10 kg Gepäck mitnimmt, so muss man doch umso genauer überlegen, was wirklich wichtig ist und was nicht. Außerdem sind ja neben den Vorbereitungen noch zahlreiche andere Verpflichtungen zu berücksichtigen.

Ich halte Euch aber gerne auf dem Laufenden was das Sternenfeld-Projekt betrifft. Bis bald also und Gottes Segen für Euch alle,


Euer Dirk



Donnerstag, 24. Mai 2007

Noch 8 Wochen

Hallo liebe Leserschaft.
Heute ist der 24. Mai und damit sind es noch genau 8 Wochen bis ich meinen Pilgerweg beginne. Die Vorbereitungen dazu nehmen auch immer konkretere Formen an. In den vergangenen Tagen habe ich mir Wanderschuhe gekauft (Bild links). Es handelt sich um Wanderschuhe der Firma Raichle. Ich habe bereits eine kleinere Wanderung mit ihnen unternommen und hatte jedenfalls dabei keine Probleme mit den Füßen. Bis zum Start am Jakobsweg werden aber noch einige kleinere Wandertouren folgen, um die Füße noch besser an die Schuhe zu gewöhnen.
Wie ich gestern kurz erfahren habe, ist auch mein Wanderrucksack eingetroffen, den ich aber erst am Wochenende in Augenschein nehmen kann. Ich habe mich vorerst für einen "deuter futura 42 AC"-Rucksack entschieden. Der schien mir mit nahezu 50 Litern Fassungsvermögen und zahlreichen Taschen, Regenschutz und dem aircomfort-Rückennetz ganz sinnvoll zu sein. Ich werde ihn mir mal genauer ansehen und dann auch mal ein Foto hier reinstellen. Wer Interesse hat, kann aber auch die oben genannte Bezeichnung im Internet suchen und findet alle weitergehenden Informationen dann dort.
Gestern ist dann auch mein "Credencial del Peregrino" angekommen. Das ist der berühmte Pilgerausweis (Bilder rechts), den jeder Pilger haben sollte, um sich in den Herbergen auszuweisen und einen Schlafplatz zu bekommen. In den Ausweis kommen dann auch die Herbergsstempel, über die man dann den zurückgelegten Weg nachweisen kann. Ich habe mich bezüglich dieses Ausweises an die Fränkische St. Jakobusgesellschaft in Würzburg gewandt. Man kann ihn aber wohl auch zu Beginn des Pilgerweges in einer Herberge bekommen. Ich kann aber an dieser Stelle die Fränkische St. Jakobusgesellschaft nur empfehlen, denn mit dem Pilgerausweis kam auch ein ganzes Bündel sehr nützlicher Informationen, wofür ich sehr dankbar bin. Dazu gehören zum Beispiel eine Checkliste zum Packen des Rucksacks, eine allgemeine Beschreibung, was ein Pilger so braucht, Informationen zu einzelnen Stationen des Weges (Entfernungen, Herbergsinformationen), eine Literaturliste zum Jakobsweg etc. Die Fränkische Jakobusgesellschaft findet man auch im Internet unter: www.jakobus-gesellschaften.de


So, damit seid Ihr wieder alle auf dem Laufenden, was die Vorbereitungen betrifft. In Kürze wieder etwas mehr zum Jakobsweg selbst und zu meinen persönlichen Zielen bis zur Abreise.


Bis dahin,


Euer Dirk








Freitag, 11. Mai 2007

Apropos Jakobsweg - Wer ist eigentlich Jakob?

Heute will ich Euch mal die Person vorstellen, die dem Jakobsweg ihren Namen gegeben hat. Es handelt sich dabei um den Heiligen Apostel Jakobus. Nun, es finden sich im Umfeld von Jesus in der Bibel einige Jakobusse (oder lateinisch Jakobi). Da ist von einem Apostel Jakobus dem Älteren und von einem Jakobus dem Jüngeren und von einem Jakobus, Bruder des Herrn die Rede. Die Theologen und Kirchenhistoriker scheinen sich auch noch nicht ganz sicher zu sein, wer dabei wer war. Man geht jedoch davon aus, dass Jakobus der Jüngere und Jakobus, Bruder des Herrn ein und dieselbe Person gewesen sein könnten. Damit bleibt für uns noch Jakobus der Ältere übrig und der hat dem Jakobsweg seinen Namen gegeben.


Jakobus (Bild links) war ein Sohn des Fischers Zebedäus und hatte sich zusammen mit seinem Bruder Johannes Jesus angeschlossen und beide waren ihm als Apostel nachgefolgt. Weil Jakobus und Johannes von stürmischem Gemüt waren - also öfter mal aufbrausend und sehr enthusiastisch - nannte Jesus die beiden "Donnersöhne". Im Laufe der Zeit wurde Jakobus zusammen mit Johannes und Petrus zu einem guten Freund und Vertrauten von Jesus. Dies wird daran deutlich, dass er bei vielen Gelegenheiten (Verklärung auf dem Berg, letzter Abend vor der Verhaftung Jesu) in der unmittelbaren Umgebung von Jesus auftaucht. Aber auch Jakobus hat Jesus in der wichtigen Stunde seiner Verhaftung verlassen und sich versteckt, was eben auch seine menschliche Schwäche zeigt.


Jakobus war es dann, der als erster der zwölf Apostel den Märtyrertod gestorben ist. An Ostern im Jahre 44 wurde er durch König Agrippa I. enthauptet. An der Stelle seiner Hinrichtung wurde später die Jakobuskirche in Jerusalem errichtet.


Sehr viel später - im 7. Jahrhundert - tauchten Gerüchte auf Jakobus hätte vor seinem Tod eine Reise nach Spanien unternommen um dort zu predigen und zu missionieren. Heutzutage hält man dies aber für sehr unwahrscheinlich.


Über das Leben von Jakobus weiss man leider nicht viel mehr, dafür aber über die Zeit danach. Angeblich wurden seine sterblichen Überreste um 70 zum Sinai gebracht und ihm zu Ehren dort ein Kloster erbaut. Im 8. Jahrhundert dann seien die Gebeine des Apostels vor den heranrückenden Sarazenen nach Spanien gerettet worden. Das Kloster wurde dann der Heiligen Katharina geweiht.


Es wird berichtet, dass man die Gebeine von Jakobus in Nordspanien auf einem Feld begraben habe, wo sie ein Hirte durch ein himmlisches Zeichen entdeckt habe. Daraufhin wurde auf dem Ort der Entdeckung, der als das Sternenfeld (lat. campus stellae) bezeichnet wurde, eine Kirche zu Ehren des Heiligen Jakobus (Sant-Iago) errichtet (Bild rechts), in der die Reliquien des Apostels am 25. Juli 816 untergebracht wurden.


In der Folgezeit entwickelte sich Santiago de Compostela zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte der Christenheit (neben Jerusalem und Rom). Besonders zwischen 900 und 1400 wurde der Jakobsweg zu einem vielbesuchten Pilgerweg, an dessen Strecke zahlreiche Kirchen, Klöster und Hospize entstanden.


Es gibt zum Jakobsweg noch viele kleine Anekdoten und Geschichtchen. Vielleicht werde ich die eine oder andere immer mal hier im Blog einstreuen. Für mich als zukünftigem Pilger auf diesem Weg ist an sich nicht so wichtig, ob die Reliquien, die in Santiago liegen nun die wahren Gebeine des Apostels Jakobus sind oder nicht. Für mich ist viel wichtiger, dass es einen solchen Jakob gegeben hat, der in seiner Menschlichkeit schwach war, aber durch seinen Glauben vieles bewirkt hat. Und für mich ist wichtig, dass auf diese Weise dieser Apostel bis in unsere Zeit und bis in mein Leben ein Vorbild sein kann. Dies zeigt sich vor allem auch daran, dass die Tradition des Pilgerweges nunmehr seit fast 1200 Jahren besteht und immer noch Menschen erfasst, begeistert und verändert. Wenn ich mich dann im Juli (wohlgemerkt kurz vor dem Gedenktag des Apostels am 25. Juli) auch auf diesen Weg begebe, werde ich zwar auf die Gesamtheit hin nur einer von vielen vielen Menschen sein, die in der Geschichte des Jakobsweges nach Santiago gepilgert sind, doch ich werde dann auch ein kleines Lichtlein sein in der Tradition des Jakobsweges, genau wie das große Sternenfeld über mir aus vielen vielen kleinen Lichtlein besteht.


In diesem Sinne, lasst uns leuchten.

Euer Dirk

Montag, 30. April 2007

Reiseplanung II

Heute habe ich die Bestätigung für die Flugtickets erhalten, so dass dieser Teil der Reiseplanung feststeht. Als nächstes werde ich nun versuchen, das Ticket für die Bahnreise in Frankreich zu organisieren. Erste Informationen dazu habe ich bereits, so dass ich an dieser Stelle einen ersten nahezu vollständigen Einblick in meine Hinreise geben kann. Das Ganze sieht so aus:
  • Abflug am 22.07.07 um 18:35 von Nürnberg mit Air Berlin

  • Ankunft am 22.07.07 um 19:55 in Paris Charles de Gaulle (Kosten Flug inkl. Gebühren 29,- €)

  • Übernachtung auf dem Flughafen Paris Charles de Gaulle

  • mit RER B (eine Art S-Bahn) vom Flughafen Charles de Gaulle in die Innenstadt von Paris (Saint-Michel Notre Dame) (Abfahrt am 23.07.07 gegen 5:30, dauert ca. 35 min. und kostet ca. 7,50 €)

  • mit METRO (Linie 4 Richtung Porte d'Orléans) von Saint-Michel Notre Dame nach Montparnasse-Bienvenüe (dauert ca. 10-15 min.; keine Ahnung was das kostet)

  • um 7:15 mit dem TGV von Paris Montparnasse 1 et 2 nach Bayonne (Ankunft um 12:03, direkte Verbindung und kostet im Internet 27,90 € in der 2. Klasse)

  • um 14:37 mit ter/SNCF (frz. Zug) von Bayonne nach St-Jean-Pied-de-Port (Ankunft um 15:50, kostet 8 €)
Damit hätte ich dann den Anfangspunkt meines Jakobsweges erreicht. Was dann passiert, weiss ich noch nicht und will ich natürlich auch nicht planen. Sicher werde ich aber noch nicht an diesem Tag den Weg beginnen, sondern erst eine Nacht in St-Jean übernachten und am 24.07.2007 meinen Weg beginnen.


Der Rückflug ist im Vergleich zur Hinreise wesentlich einfacher und sieht derzeit folgendermaßen aus:

  • Abflug am 04.09.07 von Santiago de Compostela um 17:10

  • Zwischenlandung in Palma de Mallorca um 18:45

  • Weiterflug nach Nürnberg um 21:50

  • Ankunft in Nürnberg am 04.09.07 um 23:55 (Kostet inkl. aller Gebühren bei Air Berlin 212 €)

Soweit die derzeitigen Reiseinformationen. Zum Abschluss mal noch ein Bild von dem Ausflug, den ich am vergangenen Wochenende mit meinen Eltern zur Vogtlandarena in Klingenthal gemacht habe. Dies ist eine ganz neue und sehr moderne Skisprungschanze und wir standen ganz oben!!! Ist ein tolles Erlebnis und nur zu empfehlen. Da merkt man mal, was die Skispringer leisten.

Herzliche Grüße,

Euer Dirk.

Mittwoch, 25. April 2007

Buen camino, Dominik

Hallo Dominik. Leider kann ich für das Lesen meines Blogs keine Treuepunkte vergeben, andererseits ist es wohl auch gut so, denn ich will nicht auch noch zur Entwicklung der Rabatt-Nation beitragen. Mal nur in Hinblick auf die Kommentare scheinst Du aber wirklich der treueste Leser meines Blogs zu sein. Darüber freue ich mich und widme Dir daher heute mal einen kurzen Eintrag.
Ich habe nach dem Lesen Deines Kommentars natürlich gleich mal die Ryan-Air Angebote gecheckt und für mich wäre dies nicht so ganz die optimale Lösung, weil ich dann ja erst noch irgendwie nach Frankfurt Hahn kommen müsste und ich glaube, dass dies bei den Preisen der Deutschen Bahn im Endeffekt nicht billiger wäre, als die Zugreise von Paris nach Bayonne in Frankreich. Wie auch immer, es ist interessant eine Alternative zu kennen.
Du hast geschrieben, dass Du in drei Tagen auch auf dem Camino Frances unterwegs bist. Klingt spannend und ich will ja auch diesen Weg gehen. Ich wünsche Dir jedenfalls eine richtig gute Zeit und einen möglichst unfallfreien Weg. Bin gespannt, ob Du dann mal wieder einen Kommentar hinterlässt.
Buen camino, Dominik. Bis bald,

Dirk.

Dienstag, 24. April 2007

Reiseplanung I

Nachdem mir mein Chef also das OK zum Urlaub gegeben hat (Danke Dominik für Deinen Kommentar, ich bin wirklich auch dankbar, dass mein Cehf so flexibel ist) habe ich mich nun bereits voll in die Reiseplanungen gestürzt.
Für die Hinreise hatte ich zuerst eine Option geplant, von Nürnberg mit Air Berlin nach Bilbao zu fliegen und von dort aus mit dem Zug oder dem Bus zurück nach St-Jean-Pied-de-Port in Frankreich zu fahren. Dies wäre an sich relativ preiswert gewesen und hätte circa 100 Euro gekostet. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass die Zugverbindungen in Spanien und vor allem in dieser Region etwas undurchsichtig und zeitlich ungünstig sind, so dass ich sicher wenigstens einmal auf dieser reinen Zubringerstrecke hätte übernachten müssen. Dadurch wären dann sicher weitere Kosten entstanden. Auch mit dem Bus wäre dies nicht viel besser gewesen. Ich habe mir dann als Alternative gedacht, ich könnte auch einfach von Nürnberg nach Paris fliegen und von dort aus mit dem Zug nach Bayonne und dann weiter nach St-Jean. Es stellte sich heraus, dass Air Berlin tatsächlich Billigflüge von Nürnberg nach Paris Charles de Gaulle (1 Euro plus Steuern und Kerosinzuschlag zusammen 29 Euro) anbietet. Weiterhin scheinen auch die Zugverbindungen innerhalb Frankreichs nicht so teuer zu sein (einfache Fahrt von Paris Montparnasse nach Bayonne in der 2. Klasse des TGV für 27,90 €). Insgesamt käme ich also bei dieser Variante viel billiger. Zwar beinhaltet dies eine Nacht auf dem Flughafen von Paris zuzubringen, aber das nehme ich für ein paar Euro weniger gerne in Kauf. Ich habe mich daher für diese Variante entschieden und diesen Flug gebucht. Ich werde also am 22. Juli abends von Nünberg nach Paris fliegen und am nächsten Morgen mit dem Zug weiter nach Bayonne fahren. Gegen Mittag werde ich dann St-Jean-Pied-de-Port erreichen. Dieser kleine Ort ist der Beginn des Jakobsweges, den ich gehen werde.
Die Rückflugvariante ist wesentlich einfacher: Air Berlin bietet nämlich auch Rückflüge direkt von Santiago de Compostela nach Nürnberg an. Zwar haben die eine Zwischenlandung auf Mallorca, aber das stört mich nicht (war eh noch nie auf Malle, will aber eigentlich auch nicht hin). Der Rückflug kostet mich inklusive aller Nebenkosten ca. 212 € und findet am 4. September statt.
Beide Flüge habe ich bereits gebucht und wahrscheinlich werde ich morgen die Bestätigungen erhalten. Damit ist der Rahmen für den Jakobsweg gesetzt. Als nächstes werde ich mich um das Ticket im TGV bemühen um die Reiseplanung soweit abzuschließen. Wenn dies getan ist, werde ich mich um die Ausrüstung kümmern. Natürlich darf ich über all dem nicht meine anderen Ziele vergessen. Ich werde weiter an der Dissertation arbeiten, meine Laufziele anstreben und versuchen meine "geistige Kondition" zu verbessern. Einige dieser Ziele habe ich in den vergangenen Tagen etwas vernachlässigt, so dass ich da wieder etwas mehr Gas geben muss. Mehr Infos auch zum Jakobsweg selbst folgen in Kürze. Bis bald also.

Euer Dirk

P.S.: Ich würde gerne das Blog mit Bildern vom Jakobsweg gestalten und an sich liegen mir dazu auch ein paar schöne Bildbände vor, doch ich möchte nicht gegen das Urheberrecht verstoßen und mir damit Ärger aufhalsen. Ich werde daher an dieser Stelle noch keine Bilder dazu veröffentlichen können. Sobald ich den Weg aber gegangen bin, werde ich meine eigenen Bilder gerne noch hier platzieren.

Donnerstag, 19. April 2007

Starterlaubnis erteilt

Hallo. Es ist schon spät, aber ich will es nicht versäumen, Euch die gute Nachricht noch kurz mitzuteilen: Mein Chef hat mir heute sein OK erteilt für die Reise auf dem Jakobsweg. Ich habe mich soooooooooooooooo gefreut. :) Er hatte keine Einwände und zeigte sich ziemlich beeindruckt und interessiert. Er sagte nur noch, dass ich bitte gesund wiederkommen sollte. Tja, so sind die Historiker. Bei der Anfrage musste er wahrscheinlich an viele Pilger aus dem Mittelalter denken, die auf ihren Pilgerfahrten nicht selten umgekommen sind (durch Krankheit, Überfälle etc.). Aber erstens handelt es sich ja um eine Pilgerreise nach Santiago und nicht nach Rom oder Jerusalem und zweitens leben wir ja heute nicht mehr im Mittelalter.
Ich freue mich jedenfalls sehr, dass ich nun die offizielle Erlaubnis bekommen habe, für 6 Wochen unterwegs und beurlaubt zu sein. Damit kann die Planungsphase beginnen. In den nächsten Tagen werde ich also Hin- und Rückreise planen und dann auch gleich den günstigsten Weg buchen, damit das ganze auch einen Rahmen erhält. Weiteres dazu findet Ihr immer wieder hier.

Bis dahin,

Euer Dirk.

Dienstag, 17. April 2007

Entscheidung

Nun sind schon wieder einige Tage vergangen und ich habe mich nicht mehr online hier im Blog gemeldet. Das liegt zum einen daran, dass sich bisher noch nicht viel Neues ergeben hat und es daher wenig Berichtenswertes gab. Andererseits läuft seit gestern wieder der Vorlesungsalltag und das bedeutet, dass die Mehrbelastungen im Vergleich zu den Semesterferien zugenommen haben. Entsprechend musste ich auch schon einige Dinge in der vergangenen Woche vorbereiten.


An Ostern habe ich meinen Eltern meinen Plan vom Jakobsweg eröffnet und ehrlich gesagt, hatte ich auch meine endgültige Durchsetzung des Planes von ihrer Reaktion ein wenig abhängig gemacht. Ich habe mich sehr gefreut, dass sie beide hundertprozentig dahinter stehen und auch gleich ganz begeistert waren. Das hat mich ein wenig überrascht, weil ich doch etwas kritischere Stimmen erwartet hatte. Aber vielleicht liegt das auch an mir, da ich grundsätzlich immer eine kritische Grundhaltung gegenüber manchen Dingen einnehme. Davon war aber eben bei meinen Eltern nichts zu spüren und das wiederum hat mich bestärkt, weiter in der Planung voranzuschreiten.


Nun fehlt an sich nur noch eine Sache, die mich davon abhält, meine Reise genauer zu planen, festzumachen und zu buchen: die Zusage meines Chefs, dass ich für den Zeitraum Ende Juli bis Anfang September beurlaubt werden kann. Dieses Gespräch wird am kommenden Donnerstag, also am 19. April stattfinden und ich bin schon ein wenig gespannt, wie mein Chef reagiert. Man muss dazusagen, dass er gegenüber solchen Dingen, glaube ich, eher aufgeschlossen ist und ich daher wenig Probleme sehe. Wie ich auch schon geschrieben habe, fiele meine Reise ohnehin in einen Zeitraum, in dem der Lehrstuhl zeitweise geschlossen ist. Die Zeichen stehen also schon nicht ganz schlecht. Aber ich will dem natürlich nicht vorgreifen. Alles weitere zeigt sich am Donnerstag.


Zu den Zielen, die mit der Vorbereitung verbunden sind, kann ich aber schon einige positive Erfahrungen vermerken. Seit Ostern habe ich wieder intensiver begonnen zu laufen. In der Woche nach Ostern war ich insgesamt drei Mal im Hofgarten auf der kurzen Runde unterwegs und habe auch schon eine leichte Steigerung erfahren. Ich muss allerdings dazu sagen, dass es mich schon manchmal einige Überwindung gekostet hat. Aber das Gefühl danach, gelaufen zu sein, ist dann schon wieder sehr motivierend für das nächste Mal. Seit gestern laufe ich nun schon die große Runde im Hofgarten, zwar noch mit kurzer Unterbrechung aber auch da will ich mich langsam in dieser Woche steigern. Morgen werde ich den zweiten Lauf dieser Woche machen. Schön ist auch, dass ich nun schon keinen Muskelkater mehr habe und die Überwindung nicht mehr so groß sein muss.

Was die Arbeit an der Dissertation betrifft komme ich auch besser voran als vorher. Zwar behindern mich manchmal die vielen Aufgaben nebenher, einmal konzentriert über einen längeren Zeitraum zu arbeiten, aber ich gehe nie abends mit dem Gefühl schlafen, an einem Tag nichts oder zu wenig getan zu haben. Das verbessert auf jeden Fall die innere Grundstimmung und dafür kann ich Gott sehr danken, denn ich glaube fest, dass ich die Kraft dazu von ihm bekomme, ohne dies vielleicht immer bewusst zu erleben.

Auch in finanzieller Hinsicht bin ich einen Schritt weiter. Ich habe durch Ostern und sonstige Zuschüsse schon einen kleinen Teil des Reisegeldes zusammen, worüber ich mich natürlich auch sehr freue und dankbar bin. Natürlich wird das "Sternenfeld-Geld" sorgsam zur Seite gelegt, damit es ja nicht anderweitig vertan wird. :)


So, dafür dass es ja so wenig zu berichten gab, ist das Posting doch schon wieder recht lang geworden. Zum Abschluss mal noch ein Blick in die dunklen Wolken über Bayreuth, da es gerade in Bayreuth gewittert (das Foto ist aber sozusagen kein "Live"-Bild).


Bis bald,


Euer Dirk

Freitag, 6. April 2007

Zeichen

Heute ist Karfreitag und ich sitze auch gerade und höre mir im Radio die gesamte Matthäus-Passion von Bach an. Das Osterfest hat immer einen besonderen Reiz und eine ganz seltsame Stimmung. Alles ist weniger hektisch, als an Weihnachten und es kommt doch auch eine gewisse Besinnlichkeit auf. Das hat aber sicher auch mit der davor liegenden Fastenperiode zu tun. Ich habe seit Aschermittwoch erfolgreich auf Fleisch, Alkohol, Süßigkeiten und Fernsehen verzichtet. In der Karwoche praktiziere ich dann zusätzlich noch ein etwas intensiveres Fasten, d.h. es gibt nur noch Brot mit etwas Margarine zu essen und nur noch Milch, Wasser oder Tee zum Trinken. Um Gründonnerstag wird das meistens sehr schwierig, aber bisher halte ich prima durch. Ab Karfreitag ist es dann meist die Vorfreude auf den österlichen Lammbraten, die mich weiter durchhalten lässt. Und doch, im Vergleich zum Leiden Christi ist so ein wenig Verzicht garnichts.

Doch zurück zum eigentlichen Thema. Ich meine, bereits einige Zeichen für die Durchführbarkeit meines Traumes "Sternenfeld" erhalten zu haben. Meine Beziehung zu Gott nimmt langsam klarere Formen an und besonders an Ostern sehne ich mich sehr nach der Nähe Gottes. Außerdem habe ich letzten Sonntag beschlossen, als sozusagen geistliche Vorbereitung auf meine Pilgerreise, die Imitatio Christi von Thomas à Kempis (Thomas von Kempen) in täglichen Abschnitten zu lesen. Ich habe dann einmal nachgesehen, ob ich damit hinkomme und interessanterweise würden die ca. 116 Abschnitte bei täglichem Lesen tatsächlich ausreichen um genau bis zum Abreisetermin hinzukommen. Weiterhin habe ich im Internet bereits einige preisgünstige Reisemöglichkeiten zum Pilgerweg recherchiert und auch ein Teil der Finanzierung wäre gesichert. Hinzu kommt, dass ich von meinem Professor wieder ein Lehrangebot für das kommende Semester bekommen habe, was mich mit dem nötigen Einkommen versorgt, um davon einen weiteren Teil der Finanzen für die Reise zu sparen.

Durch all diese Hinweise oder Zeichen fühle ich mich in meinem Vorhaben bestärkt. Am Wochenende werde ich noch einmal mit meinen Eltern darüber sprechen um ihre Meinung zu hören. Eine wichtige Voraussetzung wird aber sein, ob mir mein Chef für den geplanten Zeitraum frei gibt. Auch dafür stehen die Zeichen gut, denn der Lehrstuhl ist für einen gewissen Zeitraum ohnehin geschlossen. Näheres dazu werde ich in einem Gespräch bei Vorlesungsbeginn in Erfahrung bringen können.

Mein Plan geht nun dahin, dass ich, sobald ich das OK meines Chefs habe, mit der konkreten Reiseplanung beginne und Ende April damit die Reise festmache.


Soweit das heutige Posting. Da ich woh über die Ostertage nicht zum Posten komme, wünsche ich schon jetzt allen Lesern, Freunden und Verwandten ein gesegnetes Osterfest.


Herzliche Grüße,

Euer Dirk
P.S. Ein kleiner Frühlingsgruß zu Ostern, aufgenommen von meiner Mutter.

Dienstag, 3. April 2007

Ziele

Nach längerer Pause möchte ich mich heute wieder einmal online melden. Draußen regnet es gerade und eine weitere Etappe meiner Dissertationsanfangsphase ist geschafft. Also mehr als genug Gründe für einen neuen Post.
Immer wieder wenn ich daran denke, dieses Jahr noch nach Santiago zu pilgern hüpft mein Herz und ich bin wirklich motiviert das zu tun. Ich brenne darauf, wieder ein Abenteuer zu erleben und freue mich auf die Abwechslung und bin auf die Konsequenzen gespannt. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg, den ich heute mal etwas ausführlicher skizzieren will. Im Moment plane ich meine Abreise für den 24. Juli und hoffe, am 4. September wiederzukommen. Dies ist im Grunde das einzige Zeitfenster, das sich für dieses Projekt bietet. Am 21. Juli enden offiziell die Vorlesungen und am 7. September muss ich wieder da sein, um an einer Konferenz teilzunehmen. Ich habe mehrfach gelesen, dass man sich für den gesamten Jakobsweg sechs Wochen Zeit nehmen sollte, und dies wäre dann genau in diesem Zeitfenster möglich.
Aber wie gesagt, es ist noch ein weiter Weg bis dahin, denn ich habe mir bis zur Abreise noch einige persönliche Zielsetzungen gestellt, die ich erreichen möchte. Darüber hinaus stellen sich noch einige logistische Probleme, die ebenfalls bis dahin gelöst sein sollten. Doch zunächst erst einmal zu den persönlichen Zielen:
Das Wichtigste ist, dass ich bis zur Abreise einige wichtige Arbeitsschritte für meine Promotion bewältigt habe. So hoffe ich, bis dahin die Sekundärliteratur zu meinem Thema vollständig sondiert zu haben, wichtige Quellenstandorte identifiziert zu haben, verschiedene Anträge auf Stipendien eingereicht zu haben und darauf eventuell bereits eine Reaktion erhalten zu haben. Ich halte diese Zielsetzungen für durchaus realistisch und möchte sie erledigt haben, um die Pilgerreise in gewisser Weise unbelastet beginnen zu können. Die Stipendienanträge und deren Bescheide sollen hingegen auch eine Perspektive über "Santiago" hinaus bieten. Außerdem denke ich, dass diese Zielsetzung auch die nötige Motivation bietet, um die vor mir stehenden Aufgaben zu bewältigen. Im Klartext: Wenn ich weiss, dass ich Ende Juli die Reise zum Sternenfeld antreten will, bin ich motiviert, die Aufgaben bis dahin zu erledigen.
Neben dieser wichtigen Zielsetzung gibt es noch einige andere. So möchte ich bis Ende Juli wenigstens ein paar Grundlagen in Spanisch erlernen, um mich auf der Reise in der Landessprache verständigen zu können. Ich mache das nicht, weil ich es als notwendig erachte. Sicher kommt man oft auch mit Englisch weiter, aber ich denke mal, dass es angenehmer ist, ein wenig die Landessprache zu kennen. Immerhin, die Sprache ist der Schlüssel zu einer Kultur. Naja, aber ich erwarte nicht, bis dahin galizisch erlernt zu haben. ;) Spanisch muss erstmal reichen.
Außerdem möchte ich durch regelmäßiges Lauftraining auch eine gewisse Kondition aufbauen, die mir bei der Bewältigung von 800 km in sechs Wochen sicher nicht schaden kann. Dabei geht es mir nicht darum, so schnell wie möglich den Weg zu absolvieren. Das wäre sicher falsch. Vielmehr möchte ich mich auf die Eindrücke des Weges konzentrieren können, ohne dabei daran denken zu müssen, dass ich das ganze konditionell ja doch nicht schaffe. Außerdem möchte ich mich nicht, wie Herr Kerkeling, dabei ertappen, einige Etappen des Weges mit dem Bus gefahren zu sein (aber kein Vorwurf an Herrn Kerkeling) ;).
Und noch ein persönliches Ziel soll für die Zeit vor der Reise gelten. Ich möchte versuchen, schon in der Vorbereitung der Reise wieder einen besseren Draht zu Gott zu bekommen, denn, hey, es reist sich einfach besser, wenn die wichtigste Person von Anfang an dabei ist und nicht erst irgendwo auf dem Weg dazukommt. Wie das im Einzelnen funktionieren wird, weiss ich noch nicht, wird sich aber zeigen. Die Fortschritte oder auch Rückschläge beim Erreichen dieser Ziele möchte ich gerne auch hier im Blog dokumentieren.

Noch ein Wort zu den logistischen Zielen. Natürlich muss so eine Reise finanziert werden. Daher wird es wichtig sein, bis zum Reiseantritt das nötige Kleingeld zusammenzukratzen. Auch wenn das Pilgern im Vergleich zu anderen Reisen nicht teuer ist, so kostet es dennoch Geld. Außerdem brauche ich auch einiges an Material für die Pilgerreise, das auch erst einmal zusammengetragen werden muss. Wie diese logistischen Ziele im Einzelnen aussehen und welche positiven Zeichen ich bisher für mein Projekt erhalten habe, werde ich aber in einem späteren Posting mal schildern. Dieses hier ist schon so lang. Bis zum nächsten Mal,

Euer Dirk.

P.S. Es regnet nicht mehr. :)

Montag, 26. März 2007

Warum gerade jetzt?

Hi. Also ich bin ja echt erstaunt. Es waren noch nicht einmal 24 Stunden seit meinem ersten Post vergangen und schon hatte ich einen Kommentar. Ich dachte immer, für solche Blogs interessiere sich eh keiner. Aber gefreut hab ich mich und deshalb: "Danke Dominik, Du bist mein Held des Tages." Es war ermutigend, den Kommentar zu lesen, der obendrein nicht einer von diesen nervigen Spam-Beiträgen war, sondern richtig konstruktiv.

Gut, genug der ultimativen Lobhudelei (meine Reminiszenz an die Sendung "Zimmer frei!" :). Ich wollte ja gerne noch schreiben, warum ich ausgerechnet jetzt den Gedanken konsequent verfolgen will, auf dem Jakobsweg zu pilgern. Also, ich sehe den Weg als eine Sache, die ich vor allem mit Gott unternehme, also eine gewisse Zeit bewusst mit Gott gemeinsam einen Weg zu gehen. Ich glaube, dass ich dies in diesem Jahr tun sollte, weil ich besonders in den letzten Wochen eine ziemliche Distanz zu Gott aufgebaut habe, über die ich selbst nicht ganz froh bin. Ehrlich gesagt, ich fühle mich zur Zeit weiter von Gott entfernt, als ich es je gewesen bin. Gleichzeitig stehe ich am Anfang eines neuen Lebensabschnittes, den ich nicht einfach ohne Gott gehen möchte. Ich finde also, dass es Zeit ist, Gott neu und konzentriert zu suchen. Damit meine ich nicht, dass ich mich unter Druck setze, gewisse religiöse Übungen durchzuführen oder mich in eine Gemeinde zu integrieren, sondern ganz einfach einmal eine Auszeit zu nehmen, in der ich alles Alltägliche hinter mir lasse und einen Weg, der auch symbolisch für meinen Lebensweg stehen kann, mit Gott allein gehe. Eine ähnliche Situation hatte ich bereits vor vier Jahren, als ich völlig allein und auf mich gestellt zum Auslandsstudium in die Niederlande aufbrach. Auch damals war mein Verhältnis zu Gott schwierig und die Herausforderung groß, denn ohne Wohnung, ohne Bekannte in eine Gegend aufzubrechen, in der ich nie zuvor gewesen war, hatte auch etwas von Aufbruch und Zurücklassen des Gewohnten. Noch heute betrachte ich diese Zeit als besonders intensiv und für meine persönliche Entwicklung sehr wertvoll. Meine Beziehung zu Gott hatte damals ein nie vorher erfahrenes Niveau bekommen und gipfelte in meiner Taufe am 20. Juli 2003.

Sicher ist der Jakobsweg eine andere Erfahrung und ich will gar keine zu hohen Erwartungen daran stellen. Ich sehe es eher so, einfach loszugehen und zu sehen, was passiert.

Dies ist aber auch nur ein Aspekt, warum ich gern dieses Jahr noch nach Santiago pilgern möchte. Ein anderer Hintergrund ist meine gegenwärtige Ziellosigkeit und ein damit verbundenes Motivationstief. Zwar hätte ich für meine Dissertation viel zu tun, doch fehlt mir oft der Antrieb, die Arbeit auch zielbewusst umzusetzen. Ich meine nun, dass ich mir mit dem Plan zum Sternenfeld zu pilgern, ein mittelfristiges Ziel setze, zu dessen Umsetzung ich sehr motiviert bin. Gleichzeitig wirkt das auf meine Arbeit und mein Leben zurück. Bis zum Reiseantritt möchte ich gerne verschiedene Dinge erledigt haben, um dann auch leichter den Alltag und die Pflichten zurücklassen zu können. Welche Dinge ich im Einzelnen dabei verfolge, werde ich sicher in Zukunft noch genauer ausführen. Jedenfalls steht das grobe Ziel, noch in diesem Jahr nach Santiago zu gehen und bis dahin bestimmte kleinere Ziele erreicht zu haben. Im Grunde kann man also sagen, der Weg nach Santiago hat bereits begonnen. Wie erfolgreich er vor der eigentlichen Abreise ist, wird dieses Blog hoffentlich dokumentieren.


Soweit mein Bericht für heute. Achso, noch etwas: Natürlich freue ich mich über Eure Kommentare. Sie dürfen gerne ermutigend aber auch kritisch sein.

Und zum Abschluss noch ein Blick aus unserem Wohnzimmerfenster. Wir hätten selbst in der größten Verwirrung Gewissheit, wo wir uns befinden. ;)


Euer Dirk

Sonntag, 25. März 2007

Anfang


Hallo. Ich möchte mich mal ganz kurz für all diejenigen vorstellen, die mich noch nicht kennen. Ich heisse Dirk, bin momentan 28 Jahre alt und habe mir neulich ausgedacht, dass ich wohl noch so ca. 50 Jahre zu leben habe. Vielleicht auch ein paar weniger oder ein paar mehr. Vielleicht aber auch viel weniger oder viel mehr. Wer weiss das schon? Naja, ich glaube daran, dass Gott es weiss, aber leider sagt er es uns nicht. Ist aber vielleicht auch gut so, denn wie würden wir leben, wenn wir genau wüssten, morgen ist es vorbei? Somit denke ich, dass Unwissenheit ein Segen ist, mich aber auch dazu aufruft, mir über mich und mein Leben bewusst zu werden bzw. es zu etwas Sinnvollem zu gebrauchen. Ja, viele werden sich jetzt über die Gardinenpredigt aufregen aber es sind halt meine Gedanken. Und glaubt mir, ich habe schon schlimmere geistige Ergüsse im Netz gelesen, als das hier.

Ja, heute ist der 25. März 2007, es ist nun 22:31 Uhr MESZ und ich sitze hier im Wohnzimmersessel und verfolge einen Gedanken. Es ist der Gedanke an das Sternenfeld und den Heiligen Apostel Jakobus, besser bekannt in der verschmelzten Form von Santiago de Compostela, jener galizischen Stadt, die am Ende des weltbekannten Jakobsweges steht. Schon einige Jahre treibt mich der Wunsch umher, diesen ca. 800 km langen Weg einmal zu laufen. Es begann an sich vor ein paar Jahren, als ich in unserer sächsischen Heimatzeitung den Bericht eines jungen Christen las, der den Jakobsweg gegangen war. Eigentlich war der Bericht eher entmutigend, aber der Gedanke, einmal selbst dorthin zu gehen und zu pilgern hat mich seitdem nie wieder richtig losgelassen. Dann, einige Jahre später, habe ich mir eine Hörspiel-CD zu Paulo Coelhos Buch "Auf dem Jakobsweg" gekauft und gehört. Dabei flammte der Wunsch wieder neu auf und meine Überlegungen wurden konkreter. Schließlich, vor ca. 1 1/2 Jahren hatte ich einen zeitweisen Mitbewohner, der selbst mit der katholischen Jugend auf dem Pilgerweg war und mit dem ich mich darüber unterhalten habe. Zum Abschied hat er mir dankenswerterweise einen interessanten Reiseführer zum Jakobsweg geschenkt, den ich mit Interesse gelesen habe und der mir genauere Einblicke gab. Im vergangenen Herbst kam dann noch das Buch von Hape Kerkeling "Ich bin dann mal weg", welches ebenfalls vom Jakobsweg handelt und die Erlebnisse von Herrn Kerkeling in unterhaltsamer und ernsthafter Weise wiedergibt. Man kann sagen, dass im Laufe der Zeit damit meine Planungen konkretere Formen angenommen haben.

Ursprünglich war es mein Ziel, nach meinem Magisterexamen den Pilgerweg zu gehen, doch leider haben finanzielle und zeitliche Engpässe diesen Plan nicht Wirklichkeit werden lassen. Nun stehe ich also am Anfang meines Promotionsstudiums, habe an sich immer noch kein Geld und auch keine Zeit. Nichtsdestotrotz will ich meinen Wunsch nun noch in diesem Jahr umsetzen. Was mich nun ausgerechnet jetzt dazu bewogen hat? Nun, ich denke, dass werde ich im nächsten Post berichten. Für heute soll es erstmal genug sein.
Herzliche Grüße, Euer Dirk.