In Nürnberg am Hauptbahnhof klingelt mein Handy: meine Eltern rufen mich an und dafür bin ich sehr dankbar. Ich kann jetzt ein paar nette Worte gebrauchen und außerdem kann ich so gleich nachfragen, mit welcher U-Bahn ich am besten zum Flughafen komme. Alles klappt prima. Gegen 20 Uhr landen wir in Paris Charles de Gaulle. Ich bekomme meinen Rucksack wieder - alles noch dran und nichts kaputt. Ich überlege mir, in welchem Terminal ich schlafen kann, denn mein Zug geht erst am Morgen um 7:15 Uhr. Der Flughafen ist voll mit Leuten, es herrscht nervende Betriebsamkeit. Ich gehe in das Abflugsterminal, dort ist es ruhiger aber es herrscht eine nüchterne Kühle. Irgendwann gegen 21 Uhr sitze ich in einem Wartesaal und bekomme so in der Entfernung und gefiltert durch mein eingerostetes Französisch mit, dass der Flughafen wohl nachts schliesst. Ich bin unschlüssig, was ich machen soll, denn ich dachte der Bahnhof macht auch nachts zu. Wo soll ich denn die Nacht verbringen? Dann fällt mir ein, dass ich morgen ja in aller Frühe mit dem Zug in die Stadt fahren muss und ich bin mir nicht sicher, ob die Fahrkartenschalter dann schon geöffnet sind. Die Automaten nehmen irgendwie nur Kreditkarten. Also gehe ich an den Schalter und kaufe ein Ticket. Mit meinem schlechten Französisch frage ich, ob das Ticket auch am nächsten Morgen noch gelte, doch der Typ dort will mich wohl nicht verstehen und sagt dann immer nur noch "Non!". Mist, also steige ich doch jetzt besser in den Zug und bin dann wenigstens schon mal am Bahnhof.
Um 7 Uhr steige ich in den TGV ein, den ich mir viel komfortabler vorgestellt habe. Neben mir sitzt ein Franzose, mit dem ich ganz kurz ins Gespräch komme, aber meine Sprachkenntnisse sind schrecklich und ich ärgere mich darüber. Fünf Jahre Französisch in der Schule und was bleibt davon - sehr sehr wenig. Die Zugfahrt ist angenehm ruhig und dauert fast fünf Stunden. Den ganzen Tag regnet es und Frankreich wirkt trist und grau. Als wir in Bayonne ankommen und ich aussteige, wünscht mir der Franzose noch einen schönen Tag. Ich erwidere und denke mir, dass ich wirklich einen schönen Tag brauchen kann. Jetzt muss ich aber noch zwei Stunden warten, bis der Zug von Bayonne zu meinem Startort St-Jean-Pied-de-Port abfährt. Nach all dem Stress bisher, sehne ich den Jakobsweg nun fast schon herbei. Die Unsicherheit ist aber immer noch da und mittlerweile kommt eine Gewissheit hinzu: all meine Freunde, Familie, meine vertraute Umgebung sind viele viele Kilometer entfernt und ich bin hier ganz allein.








