Es ist Mittwoch der 8. August 2007.
Nach einer ruhigen aber kühlen Nacht mache ich mich nahezu als erster unserer Herberge gegen 6 Uhr auf den Weg durch die noch finsteren Mesetas. Im Ort selbst erhellt noch die ein oder andere Laterne den Weg doch schon bald ist es zwischen den weiten Ebenen sehr finster und aufgrund der Stille auch etwas unheimlich. Es scheint nur mich, den Weg, eine leichte Brise und endlose Finsternis auf der Welt zu geben und weit und breit kein Mensch und keine Zivilisation. Die Sterne scheinen über mir und spenden als einzige ein wenig Licht. Immerhin kann ich den Weg nicht verfehlen, denn hier gibt es nur einen Weg. Für einen Moment denke ich daran, die Musik auf meinem Handy ein wenig spielen zu lassen, denn dies würde mich beim Laufen motivieren und Pilger, die es stören könnte, scheint es ja jetzt noch nicht zu geben. Ich lasse es aber und lausche stattdessen der Stille. In der Ferne kann ich auf einmal einen Umriss ausmachen und bald wird klar, dass sich wohl doch schon ein Pilger vor mir auf den Weg gemacht hat. Da ich zügigen Schrittes wandere, überhole ich den älteren Mann bald und wünsche ihm einen guten Weg, was er erwidert. Schon wenige Minuten später scheine ich wieder allein auf der Welt zu sein.Doch so langsam kämpft sich das Tageslicht durch die Nacht und lässt deutlichere Konturen erkennen. Die Dämmerung zaubert in der nächsten Stunde ein Schauspiel von Farben an den Himmel und über die weite Landschaft. Jeder Moment selbst ist ein Meisterwerk und durch das Weiterlaufen befindet sich jedes dieser natürlichen Gemälde im Fluss. Es ist wunderschön, beeindruckend, als würde die Natur eine Privatvorstellung geben.
Und dann taucht die Sonne am Horizont auf und taucht die endlosen Felder der Hochebene in ein orangenes Licht bevor sie alles vergoldet. Was für ein Moment! Es ist fast, als würde man wiedergeboren in einem unbeschreiblichen Licht. Jetzt wird mir klar, was Sieglinde gemeint hat, wenn sie von den Mesetas als einer tiefgehenden Erfahrung gesprochen hat. Schon allein dieses Ritual an diesem Morgen war die Strapazen und Unannehmlichkeiten des gestrigen Tages wert und all das motiviert mich sehr, meinen Weg nun auch wieder in Freude – wenn auch in Einsamkeit – fortzusetzen.
Nach einiger Zeit in der ich von Ebene zu Ebene gelaufen bin, taucht plötzlich und unvermittelt hinter einem Hügel der Kirchturm von Hontanas vor mir auf. Auch das ist eine interessante Erfahrung, denn noch vor wenigen Minuten hätte man meinen können, es gäbe hier kein Dorf oder Stadt weit und breit. Ich beschließe, mich in Hontanas mit einem leckeren Frühstück zu stärken und erlebe dabei, wie die letzten Pilger, die hier übernachtet hatten, den Ort verlassen. Ich fühle mich überaus fit und denke schon jetzt darüber nach, mein ursprüngliches Etappenziel von Castrojeriz nach Itero de la Vega zu verlegen. Immerhin ist es jetzt erst ca. 9 Uhr und bei meinem momentanen Lauftempo wäre ich schon vor Mittag in Castrojeriz. Außerdem würde ich dadurch wieder etwas Zeit gewinnen um spätere Etappen vielleicht kürzer zu halten und trotz der Schönheit, die ich eben erleben durfte, möchte ich die Monotonie der Felder und Ebenen doch recht schnell wieder hinter mir lassen.
Nach Hontanas geht es auf einem kleinen Pfad bei angenehmem Sonnenschein und ein paar Wolken entlang eines Hanges weiter in Richtung Castrojeriz. Dabei fällt mir ein kleines Mäuschen auf, welches vor mir auf dem Pfad davonläuft und ich freue mich über diese kleine kurze Begleitung auf dem Weg. Wenig später hoppelt auch noch ein kleiner Hase nur wenige Meter vor mir über den Weg und das freut mich noch mehr. Ich hatte den Kleinen wohl aufgescheucht und nun hüpft er eilig davon.
Bald danach geht der Weg auf der Landstraße weiter, geschützt von einer Baumallee. Weit hinter mir höre ich einen singenden Italiener. Der ist zwar bestimmt 300 Meter oder mehr entfernt, aber ich höre bis hierher, dass er furchtbar singt und denke nur, dass er der Operntradition seines Landes keine Ehre macht. Dann fällt mir der singende Koreaner von gestern ein und ich muss lachen. Da der Italiener aber irgendwie gar nicht mehr aufhört, fängt es irgendwann doch an zu nerven.
Inzwischen komme ich an der Klosterruine von San Antón vorbei, durch deren früheres Bogengewölbe heute die Landstraße verläuft. Das alles verleiht dem Ort eine seltsame Stimmung. Zum einen die alten Gemäuer, die eine jahrhundertealte Tradition widerspiegeln und zum anderen die Landstraße, auf der auch gerade ein Bus durch die Ruine fährt, der die Moderne repräsentiert mit all ihren Errungenschaften und Komforts. Das verbindende Element ist der Pilgerweg, dessen ursprünglichem Verlauf die heutige Landstraße noch immer folgt und der sie nun durch die Ruine führt.
Genau wie erwartet, komme ich noch vor Mittag in Castrojeriz an und entscheide mich nun endgültig, weiter nach Itero de la Vega zu ziehen und mache nur eine kurze Pause um Wasser am Brunnen nachzufüllen und mich kurz auszuruhen. Das Wetter ist fantastisch, die Sonne scheint, aber es geht ein frischer Wind, der die Wärme wegnimmt und ein paar Wolken spenden ein wenig Schatten. Castrojeriz zieht sich furchtbar lang und am Ende des Ortes wird der Blick auf den Tafelberg Alto de Mostelares frei, den es sogleich zu besteigen gilt. Vorher treffe ich aber wieder auf Berit und Konstanze, die in Castrojeriz übernachtet und damit gestern eine Mammutetappe hingelegt hatten. Mit bei ihnen ist Vico, ein junger Farbiger, der aber aus Leipzig kommt und in seinem riesigen Rucksack auch noch ein Zelt mit sich herumschleppt. Vico war uns bereits früher begegnet und aufgrund seines Gepäcks immer nur als „Der 25 Kilo – Mann“ bekannt. Wir schätzten sein Gepäck auf ungefähr dieses Gewicht (oder hatte er es sogar selbst einmal erwähnt?). Nun lerne ich Vico auch ein wenig näher kennen und er ist, ebenso wie Berit und Konstanze, sehr nett. Dann erklimmen wir den Tafelberg und treffen uns oben zu einer wohlverdienten Pause wieder, denn der Aufstieg war steil und beschwerlich.
Und dann taucht die Sonne am Horizont auf und taucht die endlosen Felder der Hochebene in ein orangenes Licht bevor sie alles vergoldet. Was für ein Moment! Es ist fast, als würde man wiedergeboren in einem unbeschreiblichen Licht. Jetzt wird mir klar, was Sieglinde gemeint hat, wenn sie von den Mesetas als einer tiefgehenden Erfahrung gesprochen hat. Schon allein dieses Ritual an diesem Morgen war die Strapazen und Unannehmlichkeiten des gestrigen Tages wert und all das motiviert mich sehr, meinen Weg nun auch wieder in Freude – wenn auch in Einsamkeit – fortzusetzen.
Nach einiger Zeit in der ich von Ebene zu Ebene gelaufen bin, taucht plötzlich und unvermittelt hinter einem Hügel der Kirchturm von Hontanas vor mir auf. Auch das ist eine interessante Erfahrung, denn noch vor wenigen Minuten hätte man meinen können, es gäbe hier kein Dorf oder Stadt weit und breit. Ich beschließe, mich in Hontanas mit einem leckeren Frühstück zu stärken und erlebe dabei, wie die letzten Pilger, die hier übernachtet hatten, den Ort verlassen. Ich fühle mich überaus fit und denke schon jetzt darüber nach, mein ursprüngliches Etappenziel von Castrojeriz nach Itero de la Vega zu verlegen. Immerhin ist es jetzt erst ca. 9 Uhr und bei meinem momentanen Lauftempo wäre ich schon vor Mittag in Castrojeriz. Außerdem würde ich dadurch wieder etwas Zeit gewinnen um spätere Etappen vielleicht kürzer zu halten und trotz der Schönheit, die ich eben erleben durfte, möchte ich die Monotonie der Felder und Ebenen doch recht schnell wieder hinter mir lassen.Nach Hontanas geht es auf einem kleinen Pfad bei angenehmem Sonnenschein und ein paar Wolken entlang eines Hanges weiter in Richtung Castrojeriz. Dabei fällt mir ein kleines Mäuschen auf, welches vor mir auf dem Pfad davonläuft und ich freue mich über diese kleine kurze Begleitung auf dem Weg. Wenig später hoppelt auch noch ein kleiner Hase nur wenige Meter vor mir über den Weg und das freut mich noch mehr. Ich hatte den Kleinen wohl aufgescheucht und nun hüpft er eilig davon.
Bald danach geht der Weg auf der Landstraße weiter, geschützt von einer Baumallee. Weit hinter mir höre ich einen singenden Italiener. Der ist zwar bestimmt 300 Meter oder mehr entfernt, aber ich höre bis hierher, dass er furchtbar singt und denke nur, dass er der Operntradition seines Landes keine Ehre macht. Dann fällt mir der singende Koreaner von gestern ein und ich muss lachen. Da der Italiener aber irgendwie gar nicht mehr aufhört, fängt es irgendwann doch an zu nerven.

Inzwischen komme ich an der Klosterruine von San Antón vorbei, durch deren früheres Bogengewölbe heute die Landstraße verläuft. Das alles verleiht dem Ort eine seltsame Stimmung. Zum einen die alten Gemäuer, die eine jahrhundertealte Tradition widerspiegeln und zum anderen die Landstraße, auf der auch gerade ein Bus durch die Ruine fährt, der die Moderne repräsentiert mit all ihren Errungenschaften und Komforts. Das verbindende Element ist der Pilgerweg, dessen ursprünglichem Verlauf die heutige Landstraße noch immer folgt und der sie nun durch die Ruine führt.
Genau wie erwartet, komme ich noch vor Mittag in Castrojeriz an und entscheide mich nun endgültig, weiter nach Itero de la Vega zu ziehen und mache nur eine kurze Pause um Wasser am Brunnen nachzufüllen und mich kurz auszuruhen. Das Wetter ist fantastisch, die Sonne scheint, aber es geht ein frischer Wind, der die Wärme wegnimmt und ein paar Wolken spenden ein wenig Schatten. Castrojeriz zieht sich furchtbar lang und am Ende des Ortes wird der Blick auf den Tafelberg Alto de Mostelares frei, den es sogleich zu besteigen gilt. Vorher treffe ich aber wieder auf Berit und Konstanze, die in Castrojeriz übernachtet und damit gestern eine Mammutetappe hingelegt hatten. Mit bei ihnen ist Vico, ein junger Farbiger, der aber aus Leipzig kommt und in seinem riesigen Rucksack auch noch ein Zelt mit sich herumschleppt. Vico war uns bereits früher begegnet und aufgrund seines Gepäcks immer nur als „Der 25 Kilo – Mann“ bekannt. Wir schätzten sein Gepäck auf ungefähr dieses Gewicht (oder hatte er es sogar selbst einmal erwähnt?). Nun lerne ich Vico auch ein wenig näher kennen und er ist, ebenso wie Berit und Konstanze, sehr nett. Dann erklimmen wir den Tafelberg und treffen uns oben zu einer wohlverdienten Pause wieder, denn der Aufstieg war steil und beschwerlich. Die Aussicht, die man hier einerseits auf das zurückliegende Castrojeriz und andererseits auf die vor uns liegenden endlosen Felder und Ebenen hat, ist aber eine angemessene Belohnung dafür. Eine herrliche Sicht, fast als sei man eine Wolke, die über das Land schwebt; irgendwie majestätisch. Dann aber geht es genauso steil, wie beim Aufstieg auch wieder bergab und jeder Schritt ist eine extreme Belastung für die Knie. Hinzu kommt, dass der Weg mit Geröll übersät ist und man schnell auf den Steinen ausrutschen kann. Aber vorsichtig, wie wir sind, passiert keinem etwas und wir kämpfen uns weiter auf dem staubigen Weg durch schier unendliche goldene Getreidefelder. Dabei wird nun auch die Sonne wieder etwas lästiger. Die umliegenden Hügel scheinen den Wind fern zu halten und somit ist diese tiefere Ebene ein wenig wie ein Kessel.
An der nächsten Wasserstelle verabschiede ich mich von den drei deutschen Mitpilgern vorerst und wandere schnelleren Schrittes weiter. Ich will nun einfach ankommen und mich in ein Bett werfen. Immerhin stellt diese Etappe bei Erreichen von Itero de la Vega für mich einen Rekord dar, denn dann habe ich heute sage und schreibe 32 km absolviert, eine Tagesdistanz, die ich bisher noch nie gelaufen bin.
Wenig später erreiche ich den Rio Pisuerga und überquere damit die Provinzgrenze zu Palencia. Nun ist es nicht mehr weit bis Itero und gegen 14 Uhr komme ich in der dortigen Herberge an. Alles ist sehr gemütlich, ich bin der erste Ankömmling heute und so kann ich die noch herrschende Stille genießen. Es dauert gar nicht lange und Berit, Konstanze und Vico kommen auch an und beziehen das gleiche Zimmer, wie ich, so dass die Deutschen schon deutlich in der Überzahl sind. Am Nachmittag kommt dann noch ein weiterer Deutscher namens Michael, der sogar schon in Leipzig gestartet un
d bis hierher gelaufen ist und Pauline, eine nette Holländerin, mit der ich auch ein wenig Niederländisch reden kann. Es folgen dann noch weitere Pilger, worunter ein Südtiroler und ein anderer Deutscher und man kann ruhig sagen, dass die Herberge nahezu komplett in deutschsprachiger Hand ist. Die Herbergsmutter ist auch furchtbar freundlich und wäscht sogar unsere Wäsche mit der Maschine und hängt sie sogar auch noch für uns auf. Da die Nachmittagshitze draußen nun aber unerträglich ist, verbringen wir die meiste Zeit im kleinen Garten im Schatten, unterhalten uns, schlafen und lesen. Hinzu kommen noch vereinzelte Blasenbehandlungen, wobei ich nun scheinbar damit keine Probleme mehr habe. Seit einigen Tagen habe ich keine Schmerzen mehr an den Füßen. Beflügelt von dem Wegerfolg des heutigen Tages nehme ich mir vor, morgen sogar noch weiter zu laufen und bis nach Carrion de los Condes zu kommen – insgesamt eine 34 km Tagesetappe.
An der nächsten Wasserstelle verabschiede ich mich von den drei deutschen Mitpilgern vorerst und wandere schnelleren Schrittes weiter. Ich will nun einfach ankommen und mich in ein Bett werfen. Immerhin stellt diese Etappe bei Erreichen von Itero de la Vega für mich einen Rekord dar, denn dann habe ich heute sage und schreibe 32 km absolviert, eine Tagesdistanz, die ich bisher noch nie gelaufen bin.
Wenig später erreiche ich den Rio Pisuerga und überquere damit die Provinzgrenze zu Palencia. Nun ist es nicht mehr weit bis Itero und gegen 14 Uhr komme ich in der dortigen Herberge an. Alles ist sehr gemütlich, ich bin der erste Ankömmling heute und so kann ich die noch herrschende Stille genießen. Es dauert gar nicht lange und Berit, Konstanze und Vico kommen auch an und beziehen das gleiche Zimmer, wie ich, so dass die Deutschen schon deutlich in der Überzahl sind. Am Nachmittag kommt dann noch ein weiterer Deutscher namens Michael, der sogar schon in Leipzig gestartet un
d bis hierher gelaufen ist und Pauline, eine nette Holländerin, mit der ich auch ein wenig Niederländisch reden kann. Es folgen dann noch weitere Pilger, worunter ein Südtiroler und ein anderer Deutscher und man kann ruhig sagen, dass die Herberge nahezu komplett in deutschsprachiger Hand ist. Die Herbergsmutter ist auch furchtbar freundlich und wäscht sogar unsere Wäsche mit der Maschine und hängt sie sogar auch noch für uns auf. Da die Nachmittagshitze draußen nun aber unerträglich ist, verbringen wir die meiste Zeit im kleinen Garten im Schatten, unterhalten uns, schlafen und lesen. Hinzu kommen noch vereinzelte Blasenbehandlungen, wobei ich nun scheinbar damit keine Probleme mehr habe. Seit einigen Tagen habe ich keine Schmerzen mehr an den Füßen. Beflügelt von dem Wegerfolg des heutigen Tages nehme ich mir vor, morgen sogar noch weiter zu laufen und bis nach Carrion de los Condes zu kommen – insgesamt eine 34 km Tagesetappe. 











Darüber ärgere ich mich ein wenig, denn gerne hätte ich mir die industrielle Vorstadt von Burgos erspart. Wenig später erreichen wir Villafria, einen Vorort von Burgos und nun heisst es zum ersten Mal Abschied nehmen. Ute und Peter haben sich vorgenommen, von hier aus mit dem Bus in die Innenstadt zu fahren. Auch die anderen überlegen kurz, mitzufahren, aber für mich kommt dies nicht in Frage, denn ich möchte wirklich den ganzen Weg nur laufen. Wir tauschen noch schnell Adressen aus, verabschieden uns herzlich und sehen schon bald, wie Ute und Peter im Bus verschwinden und in Richtung Burgos abfahren. Sieglinde, Sabine, Julian und ich bleiben zurück an dieser hässlichen lauten Straße. Und zu allem Unglück fängt es jetzt auch noch an heftig zu gewittern und zu regnen. Es gießt aus allen Kannen und wir stellen uns so lange unter und nutzen die Zwangspause, um uns ein wenig zu stärken und dann so gut es geht wetterfest zu machen. Für einen Moment bereue ich es nun, nicht auch mit dem Bus gefahren zu sein und denke mit Graus an die Herberge, die von all den nassen schwitzigen Pilgerklamotten sicher ganz klamm sein wird. Aber dann übernimmt mein Pilgerbewusstsein wieder die Kontrolle und ich finde mich mit der Situation ab. Wir warten noch bis es ein wenig nachgelassen hat und laufen dann los.








Wir drei ziehen unsere Schuhe wieder an, machen uns wieder auf den Weg, aber nur um in der ca. 100 Meter entfernten Taverne erstmal eine schöne kühle Cola zu trinken. Die haben wir uns aber auch verdient. Dann geht es weiter nach Agés. Der Weg windet sich wieder durch Wald und geht dann auf weiten hügeligen Wiesen und Feldern weiter. Es weht ziemlicher Wind, was die Sonne erträglich macht und gegen 14 Uhr erreichen wir Agés, ein verträumtes altes und fast leblos anmutendes Örtchen. Wir finden die Herberge, die uns wohlwollend und freundlich aufnimmt. Sie ist auch sehr schön und gepflegt eingerichtet mit sauberen Bädern und nicht all zu großen Schlafräumen. Wir haben uns für die private Herberge entschieden, doch die kommunale Herberge ist gleich im Haus nebenan. In unserem Zimmer treffen wir auch das koreanische Ehepaar wieder, das wir schon in Belorado gesehen haben. Nach dem Duschen und Wäschewaschen kommt auf einmal ein ziemlicher Sturm auf und es fängt an zu gewittern. Das erste Gewitter hier und irgendwie hatte es das Wetter des Tages auch erwarten lassen. Aber meist donnert und blitzt es nur, es fallen nur wenige Tropfen Regen. Beim Essen machen wir uns Gedanken, ob Ute und Peter auch hier sind. Wir haben sie seit Belorado nicht wieder gesehen und können uns kaum vorstellen, dass sie in San Juan geblieben sind. In unserer Herberge sind sie nicht, doch als wir so gemütlich vor dem Haus essen, kommt aus der Nachbarherberge plötzlich ein vertrautes Gesicht spaziert: nicht Ute oder Peter sondern Sieglinde, von der wir uns hinter Granon verabschiedet hatten. Sie hatte schlicht in anderen Herbergen übernachtet, als wir und nun treffen wir uns hier wieder. Wir plaudern ein wenig und gehen dann gemeinsam die kleine alte Kirche von Agés ansehen. Diese Kirche ist schön und idyllisch, sie hat etwas märchenhaftes. Das mag daran liegen, weil sie am Rand des kleinen Ortes liegt, der ohnehin schon kaum Menschen zu beherbergen scheint oder daran, dass sie so schön eingebettet in Bäume und Sträucher ist. Es ist ein wenig, wie ein verwunschenes Schloss oder ein vergessener Ort, der dadurch aber sehr persönlich wirkt.


